A loop is a loop. Die Sache mit den Rollenspielen.
Bezüglich des im Intro von Teil 1 Gesagten geben Sie mir, denke ich, Recht. Also auch insofern, als dass man sich als Absender einer Werbebotschaft fragen sollte, wie bzw. mit welchen Produktbenefits man die Zielgruppe packen könnte / sollte / müsste und wie man diese am attraktivsten vermittelt.

„Guter Ansatz!“ würde ich als CD zu meinem Junior sagen, käme er mit den hier nachfolgenden Ideen bzw. Motiven ums Eck. „Aber nicht zu Ende gedacht.“ wäre mein zweiter Satz zu ihm. Denn, klar, kann man auf das jeweilige Ergebnis schauen und zufrieden denken „Da hab ich mir doch etwas Schönes / Differenzierendes / Ungesehenes einfallen lassen!“ – was empfindet jedoch der Betrachter dabei, welche Konklusionen ergeben sich für ihn, über welche Informationen verfügt er anschließend de facto und wie simpel sind weitere Infos für ihn abrufbar?

Willkommen in der Gebetsmühle: Jeder User, auch der themenfremde und bis dato uninformierte, sollte nach der Rezeption einer Werbemaßnahme genau wissen, was der Dichter ihm damit sagen wollte. Rollenspiel, Perspektivenwechsel, Empathie – da sind wir wieder.

M-net

Nett.
Nicht unsüß. Keine Frage. Und, mei, kann man theoretisch so stehen lassen. Mein Satz Nr. 3 hätte allerdings gelautet „Da steckt was drin.“ Denn, wie ich finde, wäre in dem Auftritt noch mehr für M-net möglich gewesen.

Versetzen wir uns einfach in den typischen Betrachter (damit sind übrigens auch Betrachterinnen gemeint 😉 ) dieses Plakates: Er schenkt dem Motiv höchstens einen kurzen Augenblick seiner Aufmerksamkeit, denn er hastet daran vorbei. Das Zusammenspiel von Szenerie, Headline und Absender mag er noch wahrnehmen – doch was bleibt ihm im Kopf? Anders gefragt: Was soll ihm im Kopf bleiben und was soll er, so der M-net Wunsch, anschließend tun?

Logisch, er soll verstanden haben, dass M-net leistungsstarke Internetverbindungen bietet und, sofern er kein M-net Kunde ist, einen Wechsel zu M-net in Betracht ziehen.

Was würde der Betrachter nun zunächst dafür tun müssen? Er müsste sich schlau machen, welche Datenübertragungsraten M-net aufbietet, welche Paketangebote das Unternehmen offeriert und was das kostet.

Zumindest ich würde also gerne wissen, inwiefern, mit welchen Leistungsfeatures, M-net dafür sorgt, dass die beiden Testimonials die stärkste Verbindung genießen können, die man sich nur vorstellen kann. Meine Meinung: Das müsste sich bereits aus der Headline ergeben.
Die Headline müsste mir das Gefühl geben, dass meine Internetverbindungen verdammt wacklig sind gegen das, was M-net bietet – weil M-net das Leistungsfeature XY am Start hat.

So wie hier ist das windelweich, generisch und laaaangweeeeiilig. Man liest einfach rüber. Weil man an keiner faktischen, differenzierenden, knackigen Leistungs- plus Mehrwertbeschreibung hängen bleibt, sodass man denkt „Wow, das will ich auch!“
Diese Benefitkommunikation müsste die Headline leisten, notfalls in Kombination mit einer Subline. Anschließend muss der Betrachter genau wissen, was er von dem M-net Feature hätte und wie er es bekommen kann (Call to Action). Das Fotomotiv ist im Grunde wurscht.

Denn dass ich als Vorbeihastender zunächst die Szenerie verstehen muss, um dann zu kapieren, dass M-net für deren gute Onlineverbindung gesorgt hat, um wiederum davon Vorteile für mich persönlich abzuleiten – dieser Weg ist zu lang. Noch dazu wird mir keine Webadresse angeboten, unter der ich relevante Leistungsdetails erfahren könnte. Und dass einem Telekommunikationsdienstleister auch nur entfernt irgendetwas am Herzen liegt, was seine User emotional beschäftigt – nee, is klar …

Actimel

Ich schwitze, also trinke ich.
„WTF …!“

„Actimel verursacht Schweiß-Achseln“ – diese Konklusion muss, wie bei mir, auch bei vielen weiteren Betrachtern entstanden sein. Zumindest spontan. Und zumindest so lange, bis man sich vom ersten Schock erholt hatte und herleiten konnte, dass es der werbetreibenden Marke unmöglich um diese, sondern um eine andere Aussage gehen muss, als um jene Spontankonklusion. Doch um welche?

Klar, dies würde sich vermutlich nach dem Besuch der notierten Domain erklären. Doch wer hat dazu Lust, wer macht sich diese Mühe?

Und was meint Actimel bitteschön mit „Stay strong“? Schwitze ich im überfüllten Stadtbus, nach einem langen Arbeitstag und bei 30° C etwa nicht mehr, wenn ich morgens Actimel getrunken habe? Oder rieche ich den neben mir schwitzenden Büromensch etwa nicht mehr, wenn ich brav mein Actimel zu mir nahm? Oder rieche ich ihn zwar, aber es macht mir nichts mehr aus, aufgrund der durch Actimel aktivierten Abwehrkräfte? Wirkt der Achselschweiß meines Nebenmanns dann evtl. sogar wie ein Aphrodisiakum? Und wenn zwar nicht der Schwitzer, sondern die Dame Actimel getrunken hat, warum zieht sie dann so ein Gesicht, wenn doch Actimel dafür sorgt, dass ihre Abwehrkräfte gestärkt wurden? Oder trank etwa keiner der beiden Actimel? Fragen über Fragen …

Sie wissen, was ich meine.

Klar: witzisch-differenzierend – gerne. Aber doch nicht so. Durch eine gestellte, unaufgelöste „Pfui-bäh!“-Situation. Und durch den Auftritt eines Produkts, das vielen Verbrauchern sowieso suspekt ist, da fragwürdig bzgl. seiner Wirksamkeit und noch dazu stark gezuckert.

Aber immerhin schön, dass einige der Absender dieses Auftritts garantiert ihren Spaß hatten und sich sicher waren, eine Aufsehen erregende und starkes Produktinteresse weckende Kampagne zu entwickeln. Während wiederum ich mir sicher bin, dass sich der angepeilte Erfolg anhand von Umfragewerten leicht belegen lässt.

METRO

Eyes wide shut.
Okay, ich bin mir sicher, dass ein Teil der arbeitenden Bevölkerung hier keinen Fehler erkennen könnte, „Stimmt doch!“ dachte und sich spontan angesprochen fühlte. Und selbstverständlich grinse auch ich dabei. Na dann: „Frohes Schaffen!“

Doch, bitte. Wer verantwortet so etwas? Wer drückte in welcher Agentur bzw. im METRO Marketing da nicht die Stop-Taste? Wie viele Augen blickten auf diese Seite und durch wie viele Hände ging dieser Prospekt, bevor die Druckdaten erstellt wurden?

Mehr muss man dazu gar nicht sagen. Außer, dass stete Konzentration, Wachsamkeit und Perspektivenwechsel Grundbedingungen für die Generierung und Sicherung von Qualität sind. Darauf trinke ich! 🙂

Condor

„Möchten Sie am Fenster, am Gang oder oben auf der Maschine sitzen?“
Wenn fliegen, dann besonders.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber zumindest mich, obwohl ich ziemlich gerne fliege, beschleicht beim Betrachten dieses Motivs das mulmige Gefühl, wie es wohl wäre, aus einem Flugzeug auf 12.000 m Höhe heraus zu fallen … Selbst die hier ca. 2.000 m sollten ausreichen, um einem den geplanten Karibikurlaub zu versauen.

Nun, ob realistisch oder nicht: Warum dieses Motiv? Welcher Mehrwert soll sich daraus für den potenziellen Fluggast ergeben? Was hat er davon, sich als auf dem Heck einer Boeing 737 sitzend zu fühlen? Was hat das mit zur Mehrwertvermittlung wichtigen Features wie z. B. besonders bequemen Sitzen, mit einem zuvorkommenden Service an Bord oder mit einem hochwertigen Entertainmentprogramm zu tun? So dass man also das Gefühl bekäme, flöge ich mit Condor, so begänne mein Urlaub quasi schon beim Einsteigen? Wie damals – jedenfalls beinahe – beim Transrapid (Grüße an Edmund S.!)?

Außerdem denke ich an meine Bekannte Sabine. Sabine hat Flugangst. So sehr, dass sie kürzlich beim Einchecken entschied, doch nicht nach Ägypten in den Urlaub zu fliegen, sondern wieder nach Hause zu fahren. Fair enough.

Was also muss sich jemand wie Sabine denken, wenn sie dieses Motiv betrachtet … Da vergehts einem doch. Und Flugangst, oder zumindest jenes mulmige Gefühl, haben viele Menschen – noch dazu zur Ferienzeit, wenn auch die fliegen, die ansonsten lieber Bahn fahren. Doch die Bahn hält eben nicht in Hurghada.

Sabines Flug wäre übrigens tatsächlich mit Condor gewesen, aber das nur nebenbei.

Musical ‚Ludwig 2‘

geht-es-noch-komplizierter-als-dank-derart-vieler-bindestriche.de
Was sollte eine gute URL leisten? Sie sind mit mir sicherlich einer Meinung, wenn ich mich zur Antwort „Sie sollte kurz, prägnant und gut zu merken sein“ hinreißen lasse.
Damit hätten wir auch bereits, ich denke, einvernehmlich, geklärt, um was es mir in diesem Passus geht.

Der eher mäßige Erfolg dieses Musicals, nach seinem bereits krachend gescheiterten Prequel, mag viele Gründe haben. Doch oft vermag eine schmissige Werbekampagne, zu der auch eine knackige URL der zur Promotion zentralen Website gehört, vieles zu retten bzw. von vorneherein zu verhindern.
Denn Musicals von überschaubarer Qualität, die nichtsdestotrotz gut besucht sind, gibt es gar viele. Auch am Broadway, auch im Londoner Westend, auch in Hamburg, Stuttgart, Berlin.

Wenn man es jedoch schafft, dem potenziellen Publikum klar zu machen, dass diese und jene Show „not to miss“ ist, pilgert es hin. Tolle Bühneneffekte täuschen nämlich gerne über musikalische Schwächen hinweg. Und gerade bei den beiden am Originalschauplatz aufgeführten Ludwigs finde ich es persönlich schade, dass man es nicht vermochte bzw. vermag, zu kommunizieren, dass ein Besuch der Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau im Grunde nicht komplett ist, so lange man nicht auch Gast im das Leben des Märchenkönigs auf unwiderstehliche Weise anrührend präsentierenden Singspiels war.

Branchenkönig Stage Entertainment promotet in seinen Werbeauftritten schließlich auch nicht die Domain www.stage-entertainment.de, sondern www.musicals.de. Warum wohl, liebe Füssener? Ruft mich doch mal an – ich hege Sympathie für dieses Genre und helfe, wo ich kann 🙂

Die Konklusion: Jederzeit mitdenken sowie Konzipiertes bzw. Kreiertes aus der Perspektive der potenziellen User heraus betrachten, neutral bewerten und überprüfen – auf diesem Weg kommt man einfach schneller, effizienter und für alle Beteiligten erfolgreicher ans gesteckte Ziel. Dabei unterstütze ich Sie jederzeit gerne.